Sexueller Missbrauch von Kindern

Obwohl bei dem sexuellen Missbrauch von Kindern von einem großen Dunkelfeld auszugehen ist, ist die Verfolgungsquote dieses Delikts aus dem Gesamtbereich aller Sexualstraftaten am höchsten. Dies fußt auf der Wahrnehmung, dass die Toleranzschwelle der Öffentlichkeit insbesondere im Bereich der Sexualdelikte an Kindern im Vergleich zu anderen, ebenfalls grausamen Straftaten besonders niedrig ist und nach einer rechtskräftigen Verurteilung häufig eine Stigmatisierung als sog. „Kinderschänder“  durch die Gesellschaft droht.

Als Rechtsanwalt für Strafrecht vertrete ich bundesweit Mandanten in diesem Deliktsbereich. Ob als Beschuldigter oder als Geschädigter sollten Sie sich anwaltlichen Rat holen. Über Ihre Möglichkeiten können wir gern in einem ersten Termin oder Telefonat sprechen.

  • Vorladung von der Polizei oder Staatsanwaltschaft mit Verdacht auf sexuellen Missbrauch von Kindern / Minderjährigen
  • Hausdurchsuchung durch die Ermittlungsbehörde
  • Untersuchungshaft / Festnahme wegen des Verdachts einer Sexualstraftat
  • Anklage der Staatsanwaltschaft
  • Pflichtverteidigung bundesweit möglich
  • Rechtsmittel – Berufung und Revision in Sexualstrafverfahren

Das Strafgesetzbuch sieht für den sexuellen Missbrauch von Kindern drei Vorschriften vor:

Grundtatbestand des § 176 StGB – „Sexueller Missbrauch von Kindern“

Ein Kind ist nach dem Gesetzeswortlaut des § 176 Abs.1 StGB eine Person unter 14 Jahren. In der Rechtspraxis werden allerdings auch Taten nach § 176 StGB sanktioniert, wenn diese gegenüber Personen erfolgen, welche nur knapp über dem 14.Lebensjahr sind.

Auf die sexuelle Erfahrenheit des Kindes kommt es ebenso wenig an wie darauf, ob es in diese einwilligt. Allerdings können diese Aspekte strafmildernd wirken.

Darüber hinaus werden auch Taten, die im Ausland durch Deutsche gegen ausländische Kinder erfolgt sind, gemäß § 5 Nr.8b StGB von dem § 176 StGB erfasst.

Absatz 1 – „Sexuelle Handlungen durch oder an dem Täter“

Die Vornahme sexueller Handlungen durch den Täter an dem Kind oder das Vornehmen-Lassen von Handlungen des Kindes an dem Täter stellt den Tatbestand des § 176 Abs.1 StGB dar.

Schwierigkeiten bereitet die Beurteilung der Schwelle zur Erheblichkeit. Grundsätzlich sind zwar geringere Anforderungen zu stellen als bei Erwachsenen, doch weist im Umgang mit Kindern nicht jeder körperliche Kontakt einen sexuellen Bezug auf.

Die sexuelle Natur oder Erheblichkeit einer Handlung bedarf daher einer Einzelfallerwägung. Erforderlich ist dabei eine objektive sexualbezogene Handlung. Handlungen, die objektiv neutral zu bewerten sind und lediglich subjektiv vom Täter eine sexuelle Bedeutung erhalten, reichen nicht aus.

Ein Griff zwischen die Beine, um ein Kind hochzuheben, kurze Berührungen über der Kleidung an Brust oder Gesäß oder ein Kuss auf die Wange stellen demnach keine strafbaren Handlungen im Sinne des § 176 Abs.1 StGB dar.

Darüber hinaus ist es nicht maßgeblich, ob das Kind die sexuelle Bedeutung eines Vorgangs überhaupt wahrnimmt oder als solches versteht. Demnach können Tathandlungen auch an einem schlafenden Kind vollzogen werden.

Für die zweite Tatvariante des § 176 Abs.1 StGB in Form des Vornehmen-Lassens spielt es keine Rolle von wem die Initiative ausgegangen ist. Erfasst werden also auch die Fälle, wo das Kind den Wunsch äußert sexuelle Handlungen an dem Erwachsenen vorzunehmen und dieser es passiv duldet oder bestärkt.

Der Strafrahmen beträgt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Absatz 2 – „Sexuelle Handlungen durch oder an einem Dritten“

Der § 176 Abs.2 StGB umfasst in Abgrenzung zum Absatz 1 das Bestimmen des Kindes durch den Täter, die sexuellen Handlungen an einer dritten Person vorzunehmen oder dass es von einem Dritten solche an sich vornehmen lässt. Dabei ist es irrelevant, ob der Täter bei der Vornahme der sexuellen Handlung anwesend ist.

Bestimmen setzt in der Regel das unmittelbare Einwirken des Täters auf das Opfer voraus.

Für die Erfüllung der Tatbestandsvoraussetzungen ist es nicht von Bedeutung, ob sich die dritte Person selber strafbar macht oder mit dem sexuellen Vorgang einverstanden ist. Es kann sich hierbei auch um einen Schlafenden oder um ein weiteres Kind handeln.

Der Strafrahmen liegt auch hier bei einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Absatz 3 – „Besonders schwere Fälle“

In § 176 Abs.3 StGB wird festgesetzt, dass die besonders schweren Fälle eines Kindesmissbrauch nicht unter einer Freiheitsstrafe von einem Jahr abzuurteilen sind.

Beispiele für solche Fälle wären unter anderem beischlafähnliche Praktiken (bspw. der sogenannte „Schenkelverkehr“), besonders erniedrigende Tatumstände oder bei zusätzlichen Bedrohungen für den Fall der Aufdeckung.

Absatz 4 – „Sexuelle Handlungen ohne Körperkontakt“

Eine sexuelle Handlung setzt nicht zwangsläufig den Körperkontakt zum Opfer voraus. Dennoch ist für solche Fälle ein geringerer Strafrahmen von drei Monaten bis zu fünf Jahren festgesetzt und wird durch den § 176 Abs.4 StGB geregelt und sieht unterschiedliche Fallkonstellationen vor:

§ 176 Abs.4 Nr. 1 StGB – „Vornahme von sexuellen Handlungen vor einem Kind“

Hiernach werden sexuelle Handlungen, die der Täter an sich selbst oder an einer dritten Person vornimmt, bestraft, wenn sie bewusst vor dem Kind vorgenommen werden. Nicht erfasst werden hingegen die Fälle, wo vor dem Kind eine dritte Person Handlungen an dem Täter vornimmt.

Das Kind muss den Vorgang wahrnehmen, sich der sexuellen Bedeutung allerdings nicht bewusst sein. Auch ist es nicht notwendig, dass der sexuelle Akt im räumlichen Beisein des Kindes geschieht. Es reicht aus, wenn das Kind den Vorgang mithilfe des Internets zeitgleich über den Bildschirm verfolgen kann. Sollte eine nachträgliche Abspielung solcher Videos vorgenommen werden, so unterliegt dies nicht dem § 176 Abs.4 Nr. 1 StGB. Dabei könnte hingegen § 176 Abs.4 Nr. 4 StGB einschlägig sein.

Für die Erfüllung des Tatbestandes ist es maßgeblich, dass die Wahrnehmung des sexuellen Vorgangs durch das Kind für den Täter handlungsbestimmend ist.

Sollte es sich hierbei um Handlungen exhibitionistischer Natur handeln, so kann die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe nach § 183 Abs.4 Nr.1, Abs.3 StGB auf Bewährung ausgesetzt werden. In diesem Fall würde eine Weisung zur Heilbehandlung erfolgen. Hierfür muss jedoch ein Behandlungserfolg zu erwarten sein.

§ 176 Abs.4 Nr.2 StGB – „Bestimmung des Kindes zur Vornahme sexueller Handlungen“

Der § 176 Abs.4 Nr.2 StGB gilt als Auffangtatbestand für jegliche Bestimmungen durch den Täter gegenüber dem Kind zu sexuellen Handlungen, die nicht bereits durch die Absätze 1 und 2 erfasst sind.

Denkbar sind hierbei die Konstellationen, dass das Kind Handlungen an sich selbst vornehmen soll oder das Posieren für pornographische Bildaufnahmen. Auch die Aufforderung zur Entblößung des Körpers kann unter Umständen für eine Verurteilung nach § 176 Abs.4 Nr.2 StGB ausreichen.

Eine räumliche Nähe ist dabei nicht notwendig. Die optische sowie akustische Aufzeichnung oder Übertragung sexueller Handlungen reicht für die Tatbestandserfüllung ebenso aus, wie die Fallkonstellation, dass das Kind solche Handlungen ohne die Wahrnehmung eines anderen ausüben soll, um die Vorstellung des Täters davon oder durch Gespräche darüber zu erregen.

Auch hier gilt, dass die Handlungen objektiv betrachtet einen sexuellen Bezug aufweisen müssen. Es reicht nicht, wenn neutrale Handlungen allein aus Sicht des Täters sexueller Natur sind.

§ 176 Abs.4 Nr.3 StGB – „Einwirkungen auf ein Kind durch Schriften mit dem Vorsatz zur Vornahme sexueller Handlungen“

Der Tatbestand des § 176 Abs.4 Nr.3 StGB erfordert das Einwirken auf ein Kind durch Schriften im Sinne des § 11 Abs.3 StGB (Ton- und Bildträger, Datenspeicher und andere Darstellungen) in der Absicht, es zu sexuellen Handlungen an oder vor dem Täter oder einem Dritten sowie zur Duldung solcher Handlungen an sich selbst zu bringen.

Gemeint sind damit die sogenannten Vorbereitungshandlungen, weshalb der Inhalt der Schriften nicht zwangsläufig einen sexuellen Bezug aufweisen muss. Hierbei wird allein auf die Absicht des Täters und dessen Vorstellung von der Eignung der Schriften abgestellt. Folglich sind gerade täuschende Inhalte, welche einen tatsächlichen Kontakt zur Ausübung sexueller Handlungen vorbereiten sollen, durch den § 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB erfasst.

Nicht erfasst werden die Fälle, wo die Absicht des Täters lediglich darauf abzielt, dass das Kind Handlungen an sich selbst vornimmt. Als nicht strafbar gelten auch die Konstellationen, wo eine solche Einwirkung auf das Kind mündlich und ohne die Mittel von Schriften erfolgt.

Diese, auf den ersten Blick nur schwer einleuchtende, Abgrenzung rührt daher, dass der § 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB vorrangig darauf abzielt, die unkontrollierbar gewordenen Kommunikationen über Internet-Chatrooms zu unterbinden.

Allerdings hat diese Vorschrift in der Rechtspraxis nur einen symbolischen Droh-Charakter, da sich die bereits genannten täuschen Inhalte nur schwer von sozialadäquatem Verhalten unterscheiden lassen.

§ 176 Abs.4 Nr. 4 StGB – „Einwirkung auf ein Kind durch pornographische Inhalte“

Die Einwirkung auf ein Kind nach § 176 Abs.4 Nr.4 StGB unterscheidet sich in der Formen des Vorzeigens pornografischer Abbildungen oder Darstellungen, des Abspielens von Tonträgern pornografischen Inhalts und dem entsprechendem Reden.

Der pornografische Charakter muss durch das Tatgericht konkret festgestellt werden. Es reicht nicht aus, wenn der streitige Inhalt die allgemeine Bezeichnung einer „pornografischen Aufnahme“ aufweist.

Hinsichtlich das Vorzeigens oder Abspielens ist es maßgeblich, dass das Kind den jeweiligen Inhalt wahrnimmt, auch wenn es nicht zwangsläufig die sexuelle Bedeutung erfassen muss.

Eine pornografische Abbildung kennzeichnet sich durch Bilder aus. Eine Schrift ohne Bilder unterfällt nicht dieser Vorschrift.

Das entsprechende Reden meint die mündlichen Äußerungen sexuellen Inhalts, die in Art und Intensität zu einer pornografischen Darstellung ähnlich sind. Das heißt ein sexueller Bezug allein reicht nicht aus, es muss darüber hinaus eine „Einflussnahme tiefergehender Art“ sein.

Absatz 5 – „Anbietung oder Verabredung zum Missbrauch eines Kindes“

Der Absatz 5 des § 176 StGB setzt bereits die Vorbereitungshandlungen für einen Kindesmissbrauch unter Strafe.

Die Anbietung erfordert eine auf ein bestimmtes Kind bezogene Äußerung gegenüber einer anderen Person, wonach der Anbietende willens und in der Lage ist, das Kind „zur Verfügung zu stellen“. Für die Erfüllung dieses Tatbestandes ist es irrelevant, ob das Angebot tatsächlich angenommen wird. Es reicht aus, wenn dieses ernsthaft gegenüber einem Dritter unterbreitet wird.

Darüber hinaus muss das Angebot konkret auf eine Tat bezogen sein. Hierfür müssen dem Anbietenden zwar nicht alle Details des geplanten Vorgangs bekannt sein, doch muss es sich mehr als um eine bloße Verschaffung einer Gelegenheit handeln.

Eine Verabredung setzt eine ernstliche, hinreichend konkrete Vereinbarung von mindestens zwei Personen zur Verwirklichung eines der Tatbestände nach § 176 Abs.1 bis 4 StGB voraus.

Der Strafrahmen liegt hierbei bei einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.