Delikte gegen die sexuelle Entwicklung

Als Rechtsanwalt für Strafrecht und Opferhilfe beschäftige ich mich intensiv mit dem Bereich Sexualstrafrecht. Die komplexen Vorschriften erfordern eine nötige Schwerpunktsetzung auf diesen Deliktsbereich. Nur mit Kompetenz und Engagement kann ich eine für Sie bestmögliche strafprozessuale Vertretung gewährleisten. Gern können wir einen Termin in meinen Standorten Berlin Köpenick und Berlin Mitte vereinbaren.

  • Vorladung von der Polizei oder Staatsanwaltschaft mit Verdacht auf eine Sexualstraftat erhalten
  • Hausdurchsuchung durch die Ermittlungsbehörde
  • Untersuchungshaft / Festnahme wegen des Verdachts einer Tat gegen die sexuelle Entwicklung
  • Anklage der Staatsanwaltschaft
  • Pflichtverteidigung bundesweit möglich
  • Rechtsmittel – Berufung und Revision in Sexualstrafverfahren

Hinter der Normierung der Jugendschutztatbestände im 13. Abschnitt des StGB steht die Überlegung, dass junge Menschen aufgrund einer noch unabgeschlossenen sexuellen und psychischen Reifung vor Beeinträchtigungen ihrer Gesamtentwicklung durch sexualbezogene Handlungen bewahrt werden sollen. Primär werden dabei die Verhaltensweisen strafrechtlich sanktioniert, die eine ungestörte Sexualentwicklung Minderjähriger mittelbar bedrohen.

Aufgrund unterschiedlicher persönlicher Reife und Entwicklung kann aber gerade im Sexualstrafrecht nicht pauschal davon ausgegangen werden, dass alle Jugendlichen zur sexuellen Selbstbestimmung unfähig sind, weshalb die Jugendschutznormen des 13. Abschnitts durch den Gesetzgeber als abstrakte Gefährdungsdelikte ausgestaltet wurden.

Tatbestandlich werden Handlungen erfasst, die generell geeignet erscheinen, die Sexualentwicklung Minderjähriger zu bedrohen. Vorteil dessen ist, dass der strafrechtliche Schutz nicht von der konkreten sexuellen Entwicklung des einzelnen Opfers abhängt, sondern die gesetzlich normierten Altersgrenzen – von 14, 16 und 18 Jahren – ein maßgebliches Indiz für dessen Schutzwürdigkeit  darstellen.

Sexueller Missbrauch von Kindern, §§ 176-176b StGB

Obwohl bei dem sexuellen Missbrauch von Kindern von einem großen Dunkelfeld auszugehen ist, ist die Verfolgungsquote dieses Delikts aus dem Gesamtbereich aller Sexualstraftaten am höchsten. Dies fußt auf der Wahrnehmung, dass die Toleranzschwelle der Öffentlichkeit insbesondere im Bereich der Sexualdelikte an Kindern im Vergleich zu anderen, ebenfalls grausamen Straftaten besonders niedrig ist und nach einer rechtskräftigen Verurteilung häufig eine Stigmatisierung als sog. „Kinderschänder“  durch die Gesellschaft droht.

Sexueller Missbrauch von Kindern wurde in drei Vorschriften sanktioniert:

§ 176 StGB normiert den Grundtatbestand des Delikts, welcher in Abs. 1 die Vornahme sexueller Handlungen an einem Kind oder die Veranlassung eines Kindes zu solchen Betätigungen an dem Täter unter Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren stellt. Dem wird in Abs. 2 das Bestimmen des Kindes gleichgestellt, sexuelle Handlungen an einer dritten Person vorzunehmen oder von dieser an sich vornehmen zu lassen, während Abs. 3 abträgliche Verhaltensweisen ohne unmittelbaren körperlichen Kontakt sowie pornographisches Einwirken auf das Kind mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren sanktioniert. Die gegenüber Abs. 1 und Abs. 2 milder ausfallende Strafe hat ihren Grund in dem Ausbleiben eines körperlichen Kontaktes zwischen Täter und Opfer.

Der Qualifikationstatbestand des § 176a StGB sanktioniert mit abgestuften Strafdrohungen den schweren sexuellen Kindesmissbrauch, beispielsweise durch die Vollziehung des Beischlafs, die gemeinschaftliche Tatbegehung oder die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung oder Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung des Opfers.

Wenn der Täter durch den sexuellen Missbrauch wenigstens leichtfertig den Tod des Kindes verursacht, ist der Tatbestand des § 176b StGB als Erfolgsqualifikation erfüllt.

Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen, § 174 StGB

Die Normierung des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in § 174 StGB zielt darauf ab, Jugendliche vor Beeinträchtigungen ihrer sexuellen Entwicklung zu schützen, die aufgrund bestimmter Abhängigkeits- oder Unterordnungsverhältnisses für sexuelle Übergriffe besonders anfällig sind.

Daneben verfolgt die Norm in § 174 Abs.1 Nr.3 auch den Zweck, sexuelle Kontakte zwischen Eltern und Kind schlechthin zu unterbinden.

Die Schutzbefohlenen des § 174 StGB werden nach persönlichen und sachlichen Kriterien in drei Gruppen unterteilt, die je nach Alter und Grad der Abhängigkeit unterschiedlich hohen Schutz genießen.

Die Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger, § 180 StGB

§ 180 StGB pönalisiert die sog. Kuppelei, d.h. Verhaltensweisen, die sexualbezogene Handlungen zwischen Minderjährigen und Dritten begünstigt oder gar anstrebt und die geeignet sind, die ungestörte sexuelle Entfaltung von Kindern und Jugendlichen zu beeinträchtigen.

Eine Kuppelei ist bei sexuellen Handlungen eines Minderjährigen an einem Dritten, eines Minderjährigen vor einem Dritten oder eines Dritten an einem Minderjährigen gegeben.

Neben den in § 180 StGB angedrohten Freiheits- oder Geldstrafen kann das Gericht gemäß § 181b StGB Führungsaufsicht anordnen.

Sexueller Missbrauch von Jugendlichen, § 182 StGB

§  182 StGB dient in erster Linie der ungestörten sexuellen Selbstbestimmung Minderjähriger. Vor dem Hintergrund, dass viele Jugendliche im Alter zwischen 14 und 15 Jahren sexuell aktiv werden, geht es nicht um eine Pönalisierung von Sexualkontakten zwischen Gleichaltrigen; vielmehr bezweckt § 182 StGB primär den Schutz vor traumatisierenden Erfahrungen der Jugendlichen mit älteren Personen, weshalb die Strafbarkeit an eine Altersdifferenz zwischen Täter und Opfer anknüpft sowie eine Beschränkung für Vorgänge vorsieht, die nachteilige Folgen des Jugendlichen mit sich bringen.

Die in § 182 StGB geschützte Altersgrenze liegt bei 16 Jahren, wobei die Altersschutzgrenze nur nach oben, nicht aber nach unten besteht und somit auch Kinder unter den tatbestandlichen Schutz des § 182 StGB fallen.