Kosten Strafverteidigung

Die Kosten einer effektiven Strafverteidigung richten sich nach den Bedürfnissen des Einzelfalls. Im Rahmen des telefonischen kostenfreien Erstgesprächs wird sich der Umfang des Verfahrens zumeist einschätzen lassen. Als Rechtsanwalt für Strafrecht ist es immer das Ziel, die passende Grundlage für die bestmögliche Verteidigung im Hinblick auf Ihre persönlichen Verhältnisse zu schaffen.

Pauschalhonorar oder Stundenhonorar im Rahmen einer Honorarvereinbarung

Die Abrechnung gemäß einer Honorarvereinbarung betrifft umfangreiche und komplexe Verfahren. Diese Verfahren sind innerhalb der gesetzlichen Gebühren für einen Rechtsanwalt mit dem Anspruch, Sie bestmöglich zu verteidigen, nicht möglich. Die Betreuung erfordert einen deutlich höheren Aufwand im Vergleich zu einem „normalen“ Verfahren. Praktisch trifft dies bei einer Mehrzahl angeklagter Delikte mit vielen Beweismitteln und dementsprechend umfangreichem Aktenbestand zu. Denkbar ist auch eine sehr komplexe Gesetzeslage mit hohem Begründungsaufwand, um den für Sie bestmöglichen Verfahrensausgang zu erreichen. Die Höhe des Pauschalhonorars wird individuell im Rahmen des  Erstgesprächs besprochen.

Abrechnung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz

Im Regelfall ist es möglich, Sie innerhalb der gesetzlichen Gebühren im Rahmen des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes effektiv zu vertreten. Diese Gebühren stellen für Rechtsanwälte eine verbindliche Mindestgrenze der Honorarforderung dar. Das heißt, dass ein Rechtsanwalt diese Gebühren nicht unterschreiten darf. Eine preiswertere Abrechnung als nach dem Rechtsanwaltvergütungsgesetz ist daher nicht möglich. Sollte das Verfahren in einem Freispruch enden, werden die gesetzlichen Gebühren von der Staatskasse erstattet.

Im Folgenden sollen die Zahlen sprechen. In der Aufstellung finden Sie die verschiedenen Gebühren, aus denen sich das Gesamthonorar des Strafverteidigers zusammensetzt. Die gesetzlichen Gebühren werden als Rahmengebühren festgesetzt. Das heißt praktisch, dass für die erstmalige Einarbeitung in den Rechtsfall die Grundgebühr entsteht. Die Grundgebühr liegt zwischen 40 € und 360 €. Je nach Schwierigkeit und Umfang der Sachlage kann der Verteidiger sein Honorar in diesem „Rahmen“ bestimmen. Man richtet sich praktisch nach der sogenannten Mittelgebühr, die sich für die Terminsgebühr wie folgt berechnet: (40 € + 360 €) / 2 + 19 % USt. = 238 €. Angegeben ist im Folgenden stets die Mittelgebühr. Enthalten in den Gebühren ist jeweils noch 19 % Umsatzsteuer.

Gebühren für eine anwaltliche Erstberatung

• 119 €, welche bei Mandatserteilung komplett angerechnet werden

Gebühren vor dem Amtsgericht

• Grundgebühr: 238 €
• Terminsgebühr im Ermittlungsverfahren: 202,30 €
• Verfahrensgebühr vorbereitendes Verfahren: 196,35 €
• Verfahrensgebühr gerichtliches Verfahren – erster Rechtszug: 196,35 €
• Terminsgebühr gerichtliches Verfahren – erster Rechtszug: 327,25 €

Gebühren vor der Strafkammer

• Grundgebühr: 238 €
• Terminsgebühr im Ermittlungsverfahren: 202,30 €
• Verfahrensgebühr vorbereitendes Verfahren: 220,15 €
• Verfahrensgebühr gerichtliches Verfahren – erster Rechtszug: 220,15 €
• Terminsgebühr gerichtliches Verfahren – erster Rechtszug: 380,80 €

Gebühren vor dem Schwurgericht

• Grundgebühr: 238 €
• Terminsgebühr im Ermittlungsverfahren: 202,30 €
• Verfahrensgebühr vorbereitendes Verfahren: 220,15 €
• Verfahrensgebühr gerichtliches Verfahren – erster Rechtszug: 470,05 €
• Terminsgebühr gerichtliches Verfahren – erster Rechtszug: 630,70 €

Gebühren für Berufung und Revision

• Verfahrensgebühr gerichtliches Verfahren – Berufung: 380,80 €
• Terminsgebühr gerichtliches Verfahren – Berufung: 380,80 €
• Verfahrensgebühr gerichtliches Verfahren – Revision: 731,85 €
• Terminsgebühr gerichtliches Verfahren – Revision: 404,60 €

Bedeutung und Berechnung der Gebühren

Die Bemessung der Höhe der Rahmengebühren bestimmt sich nach § 14 RVG. Dort heißt es wörtlich:

Bei Rahmengebühren bestimmt der Rechtsanwalt für Strafrecht die Gebühr im Einzelfall unter Berücksichtigung aller Umstände, vor allem des Umfangs und der Schwierigkeit der anwaltlichen Tätigkeit, der Bedeutung der Angelegenheit sowie der Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Auftraggebers, nach billigem Ermessen.

Die Schwierigkeit der rechtsanwaltlichen Tätigkeit hängt dabei von der benötigten Arbeitszeit ab. Diese kann sich bei rechtlichen und tatsächlichen Problemen, wie abgelegener verfahrensrelevanter Rechtsgebiete, schwieriger Beweislage, mangelnder Deutschkenntnisse oder kurzer Einarbeitungszeit erhöhen.

Grundgebühr: Abgedeckt wird mit der Grundgebühr die erstmalige Einarbeitung in den Rechtsfall. Die Gebühr fällt an mit dem ersten Mandatsanbahnungsgespräch und ist unabhängig vom Verfahrensstand.

Verfahrensgebühren: Die Verfahrensgebühren umfassen die Akteneinsicht, sowie die Beratung des Mandanten. Zusätzlich umfassen diese die Beschaffung von Informationen, eigene Ermittlungen, Besprechungen mit anderen Verfahrensbeteiligten, Führung des Schriftverkehrs und die Vorbereitung der Hauptverhandlung.

Terminsgebühr: Die Terminsgebühr umfasst die Teilnahme an der Hauptverhandlung und fällt für jeden Hauptverhandlungstag an. Die Terminsgebühr fällt auch außerhalb der Hauptverhandlung für die Teilnahme an Vernehmungsterminen, Terminen zur Eröffnung eines Haft- oder Unterbringungsbefehls und Haftprüfungsterminen an.
Die Gebühr erhöht sich, wenn der Mandant nicht auf freiem Fuß ist.

Pflichtverteidigung

Es werden auch Fälle der Pflichtverteidigung übernommen. Ob ein Fall der Pflichtverteidigung vorliegt, richtet sich nach § 140 StPO. Regelfälle für eine Pflichtverteidigung ist die Anordnung von Untersuchungshaft oder der Vorwurf eines Verbrechens. Der Rechtsanwalt für Strafrecht kann im Fall der Bestellung als Pflichtverteidiger verminderte Gebühren direkt bei der Staatskasse geltend machen. Diese Gebühren werden im Falle eines Schuldspruchs durch den Staat beim Verurteilten eingefordert. Sinn ist es auch, dem wirtschaftlich schlechter gestellten Angeklagten einen Strafverteidiger zur Seite zu stellen. Weitere Informationen zur Pflichtverteidigung.

Rechtsschutzversicherung

Ob die Strafverteidigung von Ihrer Rechtsschutzversicherung abgedeckt ist, wird durch eine Deckungsanfrage bei der jeweiligen Versicherung geklärt. Vorsatztaten sind in den meisten Versicherungen nicht umfasst. Denkbar ist eine Übernahme der Kosten im Ermittlungsverfahren, die allerdings bei Verurteilung zu einer Vorsatztat erstattet werden müssten. Im Bereich des Wirtschaftsstrafrechts gibt es spezielle Unternehmensversicherungen, die strafrechtliche Verfahren abdecken. Auch für Freiberufler gibt es gesonderte Tarife.