Rechtsanwalt für Jugendstrafrecht

Das Jugendverfahren unterscheidet sich in vielen Punkten vom Verfahren gegen Erwachsene. Die Besonderheiten ergeben sich dabei aus dem Jugendgerichtsgesetz (JGG), welches nur bei Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) und Heranwachsenden (18 bis 20 Jahre) anwendbar ist. Entscheidend ist das Alter des Täters zur Zeit der Tathandlung, sodass es unerheblich ist, wie alt der Täter beim Beginn der Ermittlungen gegen ihn oder bei der Verurteilung ist. Kinder unter 14 Jahren werden vom JGG nicht erfasst. Sie handeln gemäß § 19 StGB ohne Schuld und können daher nicht strafrechtlich verfolgt werden, auch wenn sie eine rechtswidrige Straftat begangen haben. Ab 21 Jahren wird eine Person im Strafrecht als Erwachsener angesehen, sodass Jugendstrafrecht nicht mehr angewendet werden kann.

Als Rechtsanwalt für Jugendstrafrecht stehe ich an Ihrer Seite. Termine für eine Beratung können in Berlin-Köpenick und Berlin-Charlottenburg vereinbart werden. Im ersten Schritt wird mit den Eltern zusammen eine Erstberatung vereinbart. In dieser können die Vorwürfe meist schon grob bewertet werden und der allgemeine Ablauf eines Verfahrens besprochen werden. Auf viele der dringlichsten Fragen kann bereits zu einem frühen Zeitpunkt eingegangen werden, was zur Beruhigung der Eltern und des Jugendlichen führt. Im nächsten Schritt wird Akteneinsicht in die Ermittlungsakte beantragt. Nach Zusendung der Akte können die Verteidigungsmöglichkeiten und drohende Strafhöhe eingeschätzt werden. Im Jugendstrafrecht sind viele Besonderheiten zu beachten, die ich als Rechtsanwalt für Jugendstrafrecht genau im Blick habe.

Unterschied des Jugendstrafrechts zum allgemeinen Strafrecht

Ein entscheidender Unterschied des Jugendstrafrechts zum allgemeinen Strafrecht liegt in den vorgesehenen Rechtsfolgen. Jugendliche und Heranwachsende können zwar die gleichen Straftatbestände des Strafgesetzbuches (StGB) erfüllen wie Erwachsene; dem Gericht stehen jedoch bei der Bestrafung andere Strafformen als die im StGB vorgesehene Geld- oder Freiheitsstrafe zur Verfügung. So besteht die Möglichkeit für den Jugendrichter, Erziehungsmaßregeln (§ 9 JGG) anzuordnen oder die Straftat mit Zuchtmitteln (§ 13 JGG) oder Jugendstrafe (§ 17 JGG) zu ahnden. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Rechtsfolgen am Erziehungsgedanken auszurichten sind, um eine erneute Straftat durch den Jugendlichen oder Heranwachsenden zu verhindern. Als Anwalt für Jugendstrafrecht kann man argumentativ gezielt auf die Anordnung einer weniger einschneidenden Sanktion hinwirken. Es werden oft Absprachen mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft getroffen, an denen nur der Jugendstrafverteidiger teilhaben kann.

Für Jugendliche und Heranwachsende gelten unterschiedliche Regelungen. Bei einem Jugendlichen kommt beispielsweise eine Strafbarkeit nur dann in Betracht, wenn festgestellt wurde, dass er bei der Tat reif genug war, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln (§ 3 JGG). Fehlt es an dieser Einsichtsfähigkeit, kann der Jugendliche mangels Schuldfähigkeit nicht bestraft werden.

Wann gilt das Jugendstrafrecht auch für Heranwachsende

Heranwachsende gelten demgegenüber – wie Erwachsene – als grundsätzlich schuldfähig. Bei ihnen kann lediglich unter bestimmten Voraussetzungen das Jugendstrafrecht angewendet werden. Sollten diese Voraussetzungen jedoch nicht vorliegen, kommt es zur Anwendung des allgemeinen Strafrechts. Für den Beschuldigten ist es allerdings vorteilhaft, wenn das Gericht zu der Auffassung gelangt, dass das Jugendstrafrecht anzuwenden ist, da der volljährige Täter in diesem Fall einem Jugendlichen gleichgestellt und deshalb nach den gleichen Regelungen, die auch für Jugendliche gelten, bestraft wird.

Voraussetzung für die Anwendung des Jugendstrafrechts ist, dass entweder der Heranwachsende zur Tatzeit aufgrund der Gesamtwürdigung seiner Persönlichkeit nach seiner Einsichtsfähigkeit einem Jugendlichen gleichstand, oder dass es sich bei der Tat um eine Jugendverfehlung handelt. Unter einer Jugendverfehlung wird eine rechtswidrige Tat verstanden, die wegen äußerer oder innerer Merkmale eine für 14- bis 17-Jährige typische Tat darstellt. Zu Jugendverfehlungen gehören zum Beispiel Sachbeschädigungen (§ 303 StGB), insbesondere das Sprühen von Graffiti und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (§ 29 BtMG), wenn z.B. der Heranwachsende aus Neugierde Drogen ausprobiert hat. Auch ein Diebstahl (§ 242 StGB) kann als Jugendverfehlung angesehen werden, wenn es um eine Mutprobe ging. Dementsprechend können gerade Straftaten, die aufgrund des Gruppendrucks Gleichaltriger verübt wurden, als Jugendverfehlungen angesehen werden. Auch schwere Sexualdelikte können Jugendverfehlungen darstellen, wenn es sich dabei um Aus- oder Nachwirkungen der Pubertät handelt.

In der Praxis kommt es bei Heranwachsenden vorwiegend zur Anwendung von Jugendstrafrecht. Gerade bei Gewaltdelikten wie vorsätzlicher Tötung, Raub, Erpressung, Vergewaltigung sowie bei Betäubungsmittelstraftaten wird überwiegend Jugendstrafrecht angewendet.

Möglichkeiten des Rechtsanwalts für Jugendstrafrecht

Bei der Strafverteidigung wird der Rechtsanwalt für Jugendstrafrecht daher bei einem Ermittlungsverfahren gegen einen Heranwachsenden zunächst prüfen, ob Jugendstrafrecht anwendbar ist und muss gegebenenfalls darauf hinwirken, dass es zur Anwendung von Jugendstrafrecht kommt. Des Weiteren gilt es gezielt zu prüfen, ob spezielle jugendrechtliche Einstellungsmöglichkeiten im Rahmen eines Diversionsverfahrens angeregt werden sollten. In vielen Fällen können nervenaufreibende Hauptverhandlungen verhindert werden. Unter Umständen kommt auch eine Pflichtverteidigung in Betracht. Die Pflichtverteidigung ist dabei nur bei besonders schweren Straftaten möglich. Gern berate ich Sie, ob in Ihrem Fall eine Pflichtverteidigung möglich wäre.