Wenn das Diebesgut selbst eine Waffe ist – Diebstahl mit Waffen, § 244 I Nr. 1a StGB

20. Januar 2020

Jährlich werden in Deutschland fast zwei Millionen Diebstahldelikte verübt. Davon sind ca. 350.000 polizeilich erfasste Fälle Ladendiebstähle. Als oft beobachtet Tatort sind hierbei die Baumärkte zu bezeichnen. Doch wer im Baumarkt ein teures Werkzeug oder Baumaterial bewusst mitnimmt, ohne zu bezahlen, muss eventuell mit härteren Konsequenzen rechnen, als zunächst für möglich gehalten. Rechtlich wird hierbei möglicherweise nicht nur ein Diebstahl nach § 242 StGB verübt, sondern ein qualifizierter Diebstahl mit Waffen nach § 244 I Nr. 1a StGB, der erheblich härter bestraft wird. Der Unterschied ist in der Strafbewertung enorm.

Es gilt der Grundsatz lassen Sie sich nicht bei der Polizei oder vor Ort ein, sondern kontaktieren einen Anwalt für Strafrecht. Nur so stehen dem Fachanwalt für Strafrecht alle Verteidigungsmöglichkeiten offen.

Ist der Qualifikationstatbestand des Diebstahls mit Waffen oder einem anderen gefährlichen Werkzeug gem. § 244 I Nr. 1a StGB erfüllt, wenn das Diebesgut selbst die Waffe oder das gefährliche Werkzeug darstellt?

Was unterscheidet den Qualifikationstatbestand des Diebstahls mit Waffen gem. § 244 I Nr. 1a StGB von einem einfachen Diebstahl nach § 242 StGB?

Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, macht sich nach § 242 StGB des Diebstahls strafbar.
Wird ein Diebstahl oder Raub wiederum durch den Täter mittels einer Waffe oder
einem gefährlichen Werkzeug begangen, erfüllt dieser den Qualifikationstatbestand nach § 244 I Nr. 1a StGB.

Welches Strafmaß steht auf § 244 I Nr. 1a StGB?

Der Unterschied hierbei ist vor allem, dass ein Diebstahl, bei dem der Täter eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug bei sich führt, mit einem erhöhten Strafrahmen und zwar einer Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft wird, § 244 I Nr. 1a StGB. Wird ein Diebstahl ohne eine solche Qualifikation verübt, steht hierauf eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Was ist eine Waffe nach § 244 I Nr. 1a StGB?

Waffen sind Gegenstände, die nach Bauart und Konzept dazu bestimmt sind, auf mechanischem oder chemischem Weg erhebliche Verletzungen zuzufügen (vgl. BGH NStZ 2007, 405).

Was ist ein gefährliches Werkzeug nach § 244 I Nr. 1a StGB?

Ein gefährliches Werkzeug ist wiederum jeder bewegliche Gegenstand der durch seine
Beschaffenheit und Art der Verwendung im konkreten Fall dazu geeignet ist, erhebliche Verletzungen herbeizuführen (Schönke/Schröder, 30. Aufl., § 244 Rn. 4f.). Die meisten Werkzeuge, wie beispielsweise ein eine Schraubenzieher oder schlichtweg schwere, eiserne Gegenstände, erfüllen regelmäßig die objektiven Kriterien dieses Tatbestandmerkmals.

Was bedeutet Beisichführen nach § 244 I Nr. 1a StGB?

Der Täter muss die Waffe oder den Gegenstand bei der Tat bei sich führen. Darunter versteht man, dass ihm der Gegenstand so zur Verfügung stehen, also sich in so räumlicher Nähe befinden
muss, dass der Täter sich ihm jederzeit, ohne nennenswerten Zeitaufwand bedienen kann (Fischer, 66. Aufl., § 244 Rn. 27).

Welcher Zeitraum ist mit „bei Tatbegehung gemeint“?

Nach der herrschenden Meinung meint „bei der Tatbegehung“ dabei einen beliebigen Zeitpunkt zwischen dem Versuchsbeginn und der Vollendung. Es ist zu beachten, dass ein Diebstahl erst mit der Beutesicherung vollendet wird. Demnach kann auch die Tatbeute selbst den
Diebstahl qualifizieren, wenn das Diebesgut z.B. ein Messer oder einen Schraubenzieher darstellt. Die Beute ist bei einem Ladendiebstahl regelmäßig erst gesichert, wenn es dem Täter gelungen ist, sie in seinen Machtbereich – beispielsweise in sein Auto oder seine Wohnung – zu überführen. Er muss dazu mindestens den Laden unerkannt verlassen haben. Die wird aufgrund vielseitiger
Sicherheitsvorkehrungen durch Videoüberwachung und Ladendetektive oftmals nicht
der Fall sein.

Was setzt der subjektive Tatbestand des § 244 I Nr. 1a StGB voraus?

Allerdings setzt der subjektive Tatbestand des § 244 I Nr. 1a StGB weiter voraus, dass der Täter die Waffe oder das gefährliche Werkzeuge bewusst gebrauchsbereit bei sich führt. Dabei soll
ein allgemeines Bewusstsein ausreichen, einen solchen Gegenstand zur Verfügung zu haben, der geeignet ist, erhebliche Verletzungen zuzufügen. Die Benutzung der Waffe oder des gefährlichen Werkzeugs muss noch nicht auf einen bestimmten Zweck abzielen (Fischer, 66. Aufl., § 244 Rn. 31). Es kommt also darauf an, ob der Täter seine Beute auch bewusst als Waffe oder gefährliches Werkzeug erkennt. Hierbei eine Abgrenzung vorzunehmen ist ein schmaler Grat.

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