Ich bin Geschädigter einer Straftat – Wo und wie kann ich Strafantrag stellen?

Damit Staatsanwaltschaft und Polizei begangene Straftaten aufklären und verfolgen können, sind sie darauf angewiesen, dass ihnen strafrechtlich relevante Sachverhalte mitgeteilt werden. Dies geschieht regelmäßig durch Strafanzeigen und Strafanträge aus der Bevölkerung. Sofern die Strafverfolgungsbehörden von einer möglichen Straftat Kenntnis erlangen, werden die notwendigen Ermittlungen veranlasst und es wird überprüft, inwieweit sich der Tatverdacht erhärtet, und dann ggf. Anklage erhoben.

Was ist ein Strafantrag?

Ein Strafantrag ist das ausdrückliche Verlangen, dass jemand wegen einer bestimmten Straftat verfolgt wird. Er ist zu unterscheiden von der bloßen Strafanzeige, mit der lediglich ein Sachverhalt mitgeteilt wird, der möglicherweise eine Straftat darstellt.

In welchen Fällen kann ich Strafantrag stellen?

Die meisten Straftaten (sog. Offizialdelikte) werden von den Strafverfolgungsbehörden auch ohne Antrag von Amts wegen verfolgt. Die Strafgesetze sehen jedoch auch eine Vielzahl von Straftaten vor, für deren Verfolgung es eines besonderen Antrages bedarf. Zu unterscheiden sind dabei absolute und relative Antragsdelikte.

Der Strafantrag ist in bestimmten gesetzlichen Fällen, bei sog. absoluten Antragsdelikten, zwingende Voraussetzungen, damit die Strafverfolgungsbehörden die Tat strafrechtlich verfolgen können. In Betracht kommen insbesondere Delikte wie Hausfriedensbruch (§ 123 StGB), Beleidigung (§§ 185, 194 StGB) und Haus- und Familiendiebstahl (§§ 242, 247 StGB).

Bei sog. relativen Antragsdelikten können die Strafverfolgungsbehörden die Tat auch bei Fehlen eines Strafantrags verfolgen, sofern ein besonderes öffentliche Interesse an der Strafverfolgung besteht. Für den Fall, dass die Staatsanwaltschaft dieses nicht für gegeben hält, ist es ratsam, auch bei solchen Delikten vorsorglich einen Strafantrag zu stellen. In Betracht kommen insbesondere die einfache und die fahrlässige Körperverletzung (§§ 223, 229, 230 StGB), Sachbeschädigung (§§ 303, 303c StGB) oder Diebstahl geringwertiger Sachen (§§ 242, 248a StGB).

Wer kann einen Strafantrag stellen?

Einen Strafantrag kann nicht jedermann stellen. Berechtigt ist grundsätzlich der Verletze bzw. bei Kindern der gesetzliche Vertreter oder der Sorgerechtsberechtigte. In einigen gesetzlich vorgesehenen Fällen geht das Antragsrecht auch auf bestimmte Angehörige über, wenn der Verletze verstirbt. Sofern die Tat von einem Amtsträger begangen wurde, kann auch der Dienstvorgesetze den Strafantrag stellen.

Wo und wie stelle ich Strafantrag?

Der Strafantrag kann sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch bei den Gerichten schriftlich oder zu Protokoll oder bei einer Behörde des Polizeidienstes schriftlich gestellt werden. Die Antragsfrist beträgt drei Monate. Sie beginnt mit Ablauf des Tages, an dem der Antragsberechtigte von der Tat sowie der Person des Täters Kenntnis erlangt.

Sofern Sie Geschädigter einer Straftat sind und Strafantrag oder Strafanzeige stellen wollen, können Sie sich bereits anwaltlich beraten lassen. Ihr kompetenter Beistand kann in Ihrem Namen den entsprechenden Antrag stellen. Gerne vereinbaren wir mit Ihnen ein erstes Beratungsgespräch in unserer Kanzlei.